Bewerbungsschreiben Schweiz: Aufbau, Anrede, Grussformel (mit Beispiel)

Ein Bewerbungsschreiben für eine Stelle in der Schweiz folgt eigenen Regeln. Wer eine Vorlage aus Deutschland übernimmt, fällt schnell auf: Da steht ein ß, das es im Schweizer Hochdeutsch nicht gibt, die Anrede geht an niemanden Bestimmtes, und der erste Satz klingt nach Massenversand. HR-Verantwortliche in der Schweiz lesen viele Dossiers und sortieren solche Schreiben früh aus.

Dieser Artikel zeigt dir den Aufbau Schritt für Schritt: Briefkopf, Anrede, Betreff, Einstieg, Hauptteil, Grussformel und Unterschrift. Danach schauen wir die häufigsten Fehler an, und am Schluss findest du ein vollständiges Beispiel.

Der Aufbau auf einen Blick

Ein Schweizer Bewerbungsschreiben passt auf eine A4-Seite und enthält, von oben nach unten:

  1. Deine Absenderadresse
  2. Die Empfängeradresse mit Ansprechperson
  3. Ort und Datum
  4. Betreffzeile
  5. Anrede
  6. Einstieg (zwei bis drei Sätze)
  7. Hauptteil (zwei bis drei Abschnitte zu den Aufgaben der Stelle)
  8. Schlusssatz
  9. Grussformel und Unterschrift
  10. Beilagenvermerk

Geschrieben wird in der Ich-Form und im Schweizer Hochdeutsch, also ohne ß. Und, wichtiger als jede Formalie: Das Schreiben bezieht sich auf das konkrete Inserat, nicht auf «eine spannende Herausforderung» im Allgemeinen.

Der Briefkopf: Absender, Empfänger, Ort und Datum

Zuoberst stehen dein Name, deine Adresse, deine Telefonnummer und deine E-Mail-Adresse, links oder rechts ausgerichtet, beides ist üblich. Darunter folgt die Empfängeradresse: Firmenname, Ansprechperson, Strasse, Postleitzahl und Ort. Die Ansprechperson gehört in die Adresse, nicht nur in die Anrede; so landet dein Dossier auch intern auf dem richtigen Pult.

Ort und Datum stehen rechtsbündig über dem Betreff, im Format «St. Gallen, 8. September 2026». Die alte Form mit «den» («St. Gallen, den 8. September») wirkt verstaubt, lass das «den» weg.

Auch wenn du das Schreiben als PDF hochlädst oder per E-Mail schickst, bleibt der Briefkopf drin. Er gehört zum Standard, und viele Firmen drucken Dossiers für Gespräche aus.

Die Ansprechperson finden und richtig anschreiben

«Sehr geehrte Damen und Herren» ist die schwächste aller Anreden, weil sie zeigt, dass du dir die kurze Recherche gespart hast. So findest du die richtige Person:

  • Im Inserat: Oft steht unter «Kontakt» oder «Auskunft» ein Name.
  • Auf der Firmenwebsite: Team- oder Kontaktseite, gerade bei KMU wird man hier fündig.
  • In beruflichen Netzwerken: Suche nach der Firma plus «HR», «Recruiting» oder dem Namen der Abteilung.
  • Per Telefon: Ein kurzer Anruf («An wen darf ich meine Bewerbung richten?») ist völlig normal und hinterlässt nebenbei einen ersten Eindruck.

Die Anrede lautet dann «Sehr geehrte Frau Keller» oder «Sehr geehrter Herr Keller». Eine Schweizer Eigenheit, die viele nicht kennen: Nach der Anrede steht kein Komma, und die erste Zeile danach beginnt mit einem Grossbuchstaben. Findest du trotz Suche keinen Namen, ist «Sehr geehrte Damen und Herren» erlaubt, aber wirklich nur als letzte Option.

Der Betreff: eine Zeile, fett, ohne das Wort «Betreff»

Der Betreff steht fett zwischen Datum und Anrede und nennt die Stelle so, wie sie im Inserat heisst, plus Pensum und, falls vorhanden, Referenznummer:

Bewerbung als Sachbearbeiterin Administration (80–100 %)

Das Wort «Betreff:» selbst wird seit Jahren nicht mehr ausgeschrieben. Nennt das Inserat eine Kennziffer, gehört sie hierhin und nicht in den Fliesstext.

Der Einstieg: der erste Satz entscheidet, und er beginnt nicht mit «Ich»

«Hiermit bewerbe ich mich um die ausgeschriebene Stelle» sagt nichts, was die Leserin nicht schon weiss. Und ein Schreiben, das mit «Ich» beginnt, wirkt selbstbezogen, noch bevor es inhaltlich losgeht.

Bessere Einstiege knüpfen sofort an die Stelle oder an deine Erfahrung an:

  • Mit deiner Erfahrung: «Seit vier Jahren betreue ich in einem KMU die Administration von der Offerte bis zur Rechnung, also genau das Aufgabenfeld, das Sie ausschreiben.»
  • Mit einem Bezug zur Firma: «Als Kundin Ihrer Filiale in Winterthur habe ich Ihre Beratung oft selbst erlebt; jetzt möchte ich auf der anderen Seite des Schalters stehen.»
  • Mit den Aufgaben: «Fakturierung, Terminkoordination, Empfang: Die drei Schwerpunkte Ihres Inserats sind seit vier Jahren mein Berufsalltag.»

Alle drei Varianten leisten dasselbe: Sie stellen in einem Satz die Verbindung zwischen dir und genau dieser Stelle her. Mehr muss der Einstieg nicht können.

Der Hauptteil: auf die Aufgaben im Inserat eingehen

Hier trennt sich das massgeschneiderte Schreiben von der Vorlage. Die meisten Bewerbungen erzählen den Lebenslauf nach («Nach meiner Lehre arbeitete ich zuerst bei...»). Das steht aber schon im Lebenslauf. Der Hauptteil hat eine andere Aufgabe: Er zeigt, dass du die Aufgaben im Inserat erfüllen kannst.

Ein bewährtes Muster dafür ist Behauptung, Beleg, Nutzen:

  1. Behauptung: Du nimmst eine Aufgabe aus dem Inserat auf. «Sie suchen eine Person, die die Fakturierung selbstständig führt.»
  2. Beleg: Du zeigst mit einem Fakt oder einer Zahl, dass du das kannst. «Bei meiner heutigen Stelle erstelle ich monatlich rund 120 Rechnungen und habe die Umstellung auf die QR-Rechnung begleitet.»
  3. Nutzen: Du machst den Gewinn für den Arbeitgeber sichtbar. «Die offenen Posten sind seither im Schnitt zehn Tage schneller beglichen.»

Zwei bis drei solcher Blöcke reichen. Wähle die Aufgaben, die im Inserat zuerst oder am ausführlichsten beschrieben sind, daran liegt dem Arbeitgeber am meisten. Übernimm dabei ruhig die Begriffe aus dem Inserat: Steht dort «Debitorenbewirtschaftung», schreib nicht einfach «Rechnungswesen», sondern zeig mit demselben Wort, dass ihr von derselben Sache sprecht.

Geschrieben wird alles in der Ich-Form. Damit die Sätze nicht alle gleich beginnen, hilft ein einfacher Trick: Stell Zeit- oder Ortsangaben nach vorne («Bei meiner heutigen Stelle...», «Seit 2023...», «In der Lehre...»).

Grussformel und Unterschrift

Der Standard in der Schweiz ist «Freundliche Grüsse». Auch «Mit freundlichen Grüssen» ist korrekt, beides selbstverständlich mit ss. «Hochachtungsvoll» ist veraltet, «Liebe Grüsse» zu privat, ausser die Firma pflegt erkennbar einen sehr lockeren Ton.

Nach der Grussformel folgen eine Leerzeile und dein Vor- und Nachname. In einem PDF-Dossier wirkt eine eingescannte Unterschrift persönlicher, zwingend ist sie nicht. Zum Schluss kommt der Beilagenvermerk, zum Beispiel «Beilagen: Lebenslauf, Arbeitszeugnisse, Diplome».

Bewerbungsschreiben oder Motivationsschreiben?

In der Schweiz meint «Bewerbungsschreiben» den Brief, der dein Dossier begleitet: eine Seite, die erklärt, warum du dich auf genau diese Stelle bewirbst und was du mitbringst. «Motivationsschreiben» wird oft als Synonym dafür verwendet, und in den meisten Inseraten ist damit dasselbe gemeint.

Es gibt aber einen Unterschied, den du kennen solltest: Manche Arbeitgeber, Schulen und Hochschulen verlangen ein Motivationsschreiben zusätzlich zum Bewerbungsschreiben. Dann geht es weniger um Belege für deine Fähigkeiten und mehr um das Warum: Warum diese Firma, warum dieser Beruf, warum jetzt? Der Aufbau bleibt derselbe, der Schwerpunkt verschiebt sich. Auch hier gilt: konkret statt allgemein, mit Bezug auf das Inserat oder den Studiengang.

Die praktische Regel: Verwende das Wort, das im Inserat steht. Und wenn beides verlangt wird, schreib nicht zweimal dasselbe. Das Bewerbungsschreiben belegt, dass du die Aufgaben kannst; das Motivationsschreiben erklärt, weshalb du sie bei genau diesem Arbeitgeber übernehmen willst.

Die drei häufigsten Fehler

1. Das ß aus Deutschland. Im Schweizer Hochdeutsch gibt es kein ß. Es heisst gemäss, Grüsse, Strasse, abschliessen. Ein einziges ß verrät die deutsche Vorlage und wirft die Frage auf, wie viel vom Rest ebenfalls kopiert ist.

2. Ein Schreiben für alle Stellen. Wer denselben Text mit ausgetauschtem Firmennamen verschickt, wird erkannt, spätestens am Hauptteil, der zu jeder Stelle gleich gut oder eben gleich schlecht passt. Der Test ist einfach: Würde dein Schreiben auch unter dem Inserat einer anderen Firma funktionieren, ist es zu generisch.

3. Die dritte Person oder das Passiv. «Die Bewerberin verfügt über mehrjährige Erfahrung» oder «Erfahrung im Verkauf ist vorhanden»: Solche Sätze schaffen Distanz, wo Nähe hingehört. Ein Bewerbungsschreiben ist ein persönlicher Brief. Du schreibst als du, in der Ich-Form, an eine konkrete Person.

Vollständiges Beispiel

Das folgende Schreiben ist frei erfunden, Kandidatin wie Firma. Es zeigt den Aufbau und das Muster Behauptung, Beleg, Nutzen im Zusammenhang.

Lea Brunner
Musterweg 8
9000 St. Gallen
079 000 00 00
lea.brunner@example.ch

Muster AG
Frau Sandra Keller
Beispielstrasse 15
8400 Winterthur

St. Gallen, 8. September 2026

Bewerbung als Sachbearbeiterin Administration (80–100 %)

Sehr geehrte Frau Keller

Seit vier Jahren betreue ich in einem KMU die Administration von der Offerte bis zur Rechnung, also genau das Aufgabenfeld, das Sie in Ihrem Inserat beschreiben. Deshalb bewerbe ich mich bei der Muster AG.

Sie suchen eine Person, die die Fakturierung selbstständig führt. Bei meiner heutigen Stelle erstelle ich monatlich rund 120 Rechnungen und habe die Umstellung auf die QR-Rechnung begleitet. Die offenen Posten sind seither im Schnitt zehn Tage schneller beglichen.

Auch die Terminkoordination und die Organisation von Anlässen gehören zu meinem Alltag. Für die Geschäftsleitung koordiniere ich Termine über zwei Standorte hinweg und bereite die Sitzungsunterlagen vor. Vorgesetzte und Kolleginnen beschreiben mich als zuverlässig und ruhig, auch wenn mehrere Dinge gleichzeitig anstehen.

Der Wechsel zur Muster AG reizt mich, weil ich meine Erfahrung in ein grösseres Team einbringen und mich Richtung Buchhaltung weiterentwickeln möchte. Gerne erzähle ich Ihnen in einem persönlichen Gespräch mehr.

Freundliche Grüsse

Lea Brunner

Beilagen: Lebenslauf, Arbeitszeugnisse, Diplome

Was dieses Beispiel richtig macht: Der erste Satz beginnt nicht mit «Ich» und stellt sofort den Bezug zur Stelle her. Der Hauptteil greift zwei Aufgaben aus dem Inserat auf und belegt sie mit Zahlen statt mit Adjektiven. Und das Ganze bleibt unter einer A4-Seite.

Kurz-Checkliste vor dem Absenden

  • Ansprechperson mit Namen angeschrieben, kein Komma nach der Anrede
  • Ort und Datum aktuell, Betreff mit Stellentitel und Pensum
  • Erster Satz beginnt weder mit «Ich» noch mit «Hiermit»
  • Hauptteil bezieht sich auf konkrete Aufgaben aus dem Inserat, mit Belegen
  • Kein einziges ß im Text, Grussformel «Freundliche Grüsse»
  • Eine A4-Seite, Beilagen vermerkt

Häufige Fragen

Kommt nach der Anrede ein Komma?

In der Schweiz nicht. Nach «Sehr geehrte Frau Keller» folgt eine Leerzeile, und die erste Zeile danach beginnt mit einem Grossbuchstaben. In Deutschland steht nach der Anrede ein Komma, und der Text geht klein weiter. Ein Komma an dieser Stelle ist darum das häufigste Signal für eine Vorlage aus Deutschland. Prüfe bei jeder Vorlage zuerst diese Stelle und dann den Text auf ß.

Wie lang darf ein Bewerbungsschreiben sein?

Eine A4-Seite, nicht mehr. Das entspricht etwa 250 bis 400 Wörtern, je nach Schriftgrösse und Briefkopf. Kürzer ist besser als eine bis zum Rand gefüllte Seite: Wer zwei oder drei Aufgaben aus dem Inserat sauber belegt, hat genug gesagt. Streich lieber einen Absatz, als die Schrift zu verkleinern oder die Ränder zu verengen. Der Lebenslauf darf dafür zwei Seiten haben.

Muss ich das PDF unterschreiben?

Nein, zwingend ist das nicht. Dein getippter Vor- und Nachname unter der Grussformel reicht. Eine eingescannte Unterschrift wirkt persönlicher und passt gut zu einem PDF-Dossier, wenn sie sauber ist: gerade, mit klarem Hintergrund und in passender Grösse. Ein unscharfes Handyfoto deiner Unterschrift schadet mehr, als es nützt. Dann lieber ganz weglassen. Wichtiger als die Unterschrift ist, dass Name und Kontaktdaten im Briefkopf stimmen.

Gehört ein Foto ins Bewerbungsschreiben?

Nein. Das Foto gehört in den Lebenslauf, meist oben rechts auf der ersten Seite, und dort nur einmal. Das Bewerbungsschreiben bleibt ein Brief: Briefkopf, Text, Unterschrift. Ein Foto im Schreiben lässt den Brief überladen wirken und lenkt vom Inhalt ab. Achte stattdessen darauf, dass Schrift und Layout von Schreiben und Lebenslauf zusammenpassen. So wirkt das Dossier aus einem Guss.

Wenn du diesen Aufbau nicht bei jeder Bewerbung von Hand neu bauen willst: Auf jobwing.ch fügst du den Link eines Inserats ein und erhältst ein Bewerbungsschreiben nach Schweizer Standard, das auf die Aufgaben im Inserat eingeht; die erste Bewerbung ist gratis und ohne Kreditkarte.

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung entworfen und von Tom Steinbach geprüft und überarbeitet.